Meine nächste Reise führt mich nach London, denn zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich BIldungsurlaub in Anspruch. Ich suche nach einem Intensivkurs Englisch und finde über einen deutschen Anbieter eine Sprachenschule im Londoner Stadtteil Angel, na so ein Zufall...
Ich habe so viel mit Engeln zu tun und einige 100 fotografiert, dass ich das schon lustig finde.
Ich habe pro Tag 6 Stunden Englisch intensiv, so dass ich genügend freie Zeit für "Kultur" habe. Ich reise am Sonnabend vorher an und neben ein paar typischen Sehenswürdigkeiten führt mich mein weg zu meinem ersten Friedhof:
Der Brompton Cemetery gehört zu den "Magnificent Seven", den "glorreichen" sieben privaten Friedhöfen, die im 19. Jahrhundert entstanden, als die innerstädtischen kirchlichen Friedhöfe nicht mehr ausreichten.
Am Eingang befindet sich ein nettes Café und ein Infocenter, welches von Freiwilligen der "Freunde des Brompton Friedhofes" ehrenamtlich betrieben wird. Nicht unähnlich dem Förderverein des Friedhofs Ohlsdorf, in dem ich ehrenamtlich tätig bin. Ich werde sehr herzlich von einer älteren Dame begrüßt und nach kurzer Zeit ist sie so begeistert, dass sie mich mit Informationen und Flyern überhäuft. Nach etwa 10 Minuten stutzt sie und erzählt mir von einer Verwandten in Deutschland, die immer sagt, ihr Dialekt wäre so schlecht zu verstehen, ob es mir auch so ginge. Ich bestätige, dass ich nicht alles verstehe, aber ganz gut mit komme. Sie lacht und erzählt dann mit gefühlt der doppelten Geschwindigkeit weiter.
Ich bedanke mich herzlich und mache mich auf den Weg. Mein erster Eindruck ist (wieder einmal), jeder Friedhof ist anders, jedes Land hat seine Eigene Kultur, das ist sooo faszinierend!
Wenn ich meine Eindrücke in 5 Begriffen bechreiben müsste, würde ich sagen: Keltische Kreuze, Eichhörnchen, Krähen, FC Chelsea und Herzlichkeit.
Ich habe auf einem Friedhof noch nie so viele Gespräche geführt, wie auf diesem. Auch auf anderen Londoner Friedhöfen kam es immer wieder zu schönen Gesprächen mit Einheimischen.
Es sind viele Hobbymaler vor Ort, mit denen ich mich unterhalte und bin ganz angetan von ihren Werken. Hier komme ich zum ersten Mal in Berührung mit der Britischen Bescheidenheit: "Yeah, it's not too bad!". Der nächste erklärt mir die Schwierigkeit, die unterschiedlichen Grüntöne zu treffen und eine Dame erzählt mir ungefragt ein paar Hintergründe über den Friedhof und dass ein paar Verwandte von ihr hier und dort liegen würden.
Friedhöfe sind ja ein Ort der Stille und Besinnlichkeit. Dies wird in Deutschland so ganz anders gehandhabt als anderswo.
In früheren Zeiten wurden Friedhöfe oft parkartig angelegt und es wurden Picknicks und Ausflüge dorthin gemacht und dienten der Erholung. Und so komme ich auch an Familien mit kleinen Kindern vorbei, die zwischen den Gräber ein Picknick machen.
Der Brompton Friedhof liegt direkt neben dem Stanford Bridge Stadium des FC Chelsea und am Tag meines Besuches war dort gerade Heimspiel gegen Manchester City im FA Cup.
Und auch hier kam ich ins Gespräch mit einem netten (Manchester-) Fan, die extra früher gekommen ist, um sich den Friedhof anzuschauen. Sie gibt mir ein paar Tipps und Hinweise, die ich tatsächlich so nicht gesehen hätte.
So zogen hunderte von Fußballfans fröhlich, aber doch respektvoll, über den Friedhof, um zum Stadion zu kommen.
Nach einer Weile hört man lauten Jubel und Fangesänge, das Spiel scheint begonnen zu haben.
Durch die Arkaden sieht man das Station.