Ich wohne im Hamburger Stadtteil Bramfeld und fahre zur Arbeit immer mit dem Fahrrad durch den Ohlsdorfer Friedhof. Mit 389 Haktar ist er der größte Parkfriedhof der Welt, flächenmäßig der 4.-größte. Ich fahre das ganze Jahr bei so ziemlich jedem Wetter und genieße die Fahrten sehr. Gerade nach Feierabend habe ich so noch einmal die Möglichkeit, runterzukommen. Ich fahre im allgemeinen immer die selbe Strecke, die jedoch manchmal geplant mit festem Ziel, manchmal spontan verändert wird. So habe ich schon viele tolle neue Orte endeckt.
Anfang 2025 hatte ich eine Operation, die mich mehrere Wochen aufs Sofa zwang. Da ich immer etwas zu tun haben muss und auch nicht der Geduldigste bin, fing ich an, meine Bilder von Friedhöfen zu sortieren und mir kam die Idee, sie auf einer Website zu veröffentlichen. In erster Linie für mich. 
Dann entdeckte ich die Seite des Fördervereins des Friedhofes Ohlsdorf und wurde dort Mitglied. Auf deren Website lernte ich einiges über den Friedhof und auch, dass Ehrenamtliche u.a. für Führungen über den Friedhof gesucht werden, zu Fuß und mit dem Fahrrad, zwischen 1 und 3 Stunden. Ich meldete mein Interesse und wurde herzlich begrüßt.
Ich war damals der Meinung, dass ich durch meine vielen "Umwege" doch schon recht viel vom Friedhof kannte und musste feststellen, dass ich lediglich einen Bruchteil kannte. Und auch heute, nach etwa einem Jahr, entdecke ich immer wieder etwas neues. Der Ohlsdorfer Friedhof ist einfach so groß und vielfältig.
Bei meiner ersten Tour zur Einarbeitung durch meine neue Kollegin T. wurde ich gezielt in die Standardsehenswürdigkeiten eingeführt, die bei fast jeder Tour gezeigt werden. Hinter fast jeder Grabstätte gibt es eine Geschichte oder Hintergünde zu erzählen: Interessante, spannende, schöne, lustige und natürlich auch traurige oder bewegende.
Ein bekannter Bereich ist der sogenannte "Millionenhügel", der etwas erhaben und exklusiv im Nordwesten liegt und wo, wie zu vermuten ist, wohlhabende und bekannte Familien ihre Grabstätten haben. So findet man z.B. das Familiengrab Block des Steak Haus-Inhabers ebenso wie den Tchibo-Mitbegründer Max Herz oder Carl Hagenbeck, vor dessen Grab eine lebensgroße Statue seines Lieblingslöwen "Triest" wacht.
Südlich des Hügels zeigt mir T. dann eine Grabstätte, die mich dermaßem beeindruckt hat, weil sie so viel Liebe und Zuneigung ausstrahlt, dass ich jedes Mal Gänsehaut und einen Kloß im Hals bekomme, wenn ich sie besuche. 
Die Grabstätte ist immer gepflegt und hat eine Bank zum Verweilen. Frische Rosen, oder bei meinem letzten Besuch im Dezember waren frische Amarylis am Grab. Man spürt sofort: Hier war und ist immer noch ganz viel Liebe vorhanden.
Wenn man sich die Statue anschaut, sieht man, wie detailreich sie gearbeitet ist.
Man könnte meinen, sie liest Doris vor, oder es ist Doris selbst, mit ihrem Lieblingsbuch.
Erst nach mehrmaligen Besuchen kam ich auf den Gedanken, es könne ja eine Geschichte auf dem Buchseiten zu lesen sein.
Und wirklich: Es ist der Auszug eines englischen Zählreims:
Six little ducks that I once knew.
Proud ones, happy ones, silly ones, too.
But the one little duck with the feather on her back.
She led the others with a quack, quack, quack.
Quack, quack, quack. Quack, quack, quack.
She led the others with a quack, quack, quack.

Down to the river they would go.
Wibble wobble. Wibble wobble. To and fro.
But the one little duck with the feather on her back.

She led the others with a quack, quack, quack.
Quack, quack, quack. Quack, quack, quack.
She led the others with a quack, quack, quack.

Home from the river they would come.
Wibble wobble. Wibble wobble. Ho hum hum.
But the one little duck with the feather on her back.
She led the others with a quack, quack, quack.
Quack, quack, quack. Quack, quack, quack.
She led the others with a quack, quack, quack.

Diese Grabstätte ist wirklich mein Lieblingsort auf dem Friedhof, die kleine liegende Lesende meine absolute Favoritin. Daher weise ich sie in meiner Website als Logo aus, um zu zeigen, wie Liebe und Zuneigung über den Tod hinaus existieren..
Gern hätte ich Doris persönlich kennengelernt.

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