Ich bin mal wieder auf Dienstreise, wir sind bei einem unserer Dienstleister am Romer Flughafen Aeroporto di Roma-Fiumicino “Leonardo da Vinci”. In der Kaffeepause, es gibt einen Automaten mit wirklich guten Espresso-Spezialitäten (wir sind halt in Italien), fragen uns die italienischen Kollegen, ob wir noch Rom erkunden wollen. Mein Kollege J. verneint, er fliege heute noch zurück aber ich habe ein paar Stunden, um Rom zu erkunden.
Was ich denn anschauen wolle? J. grinst in meine Richtung, dIe Kollegen schauen mich erwartungsvoll an und ich muss ebenfalls schmunzeln, als ich von meiner Passion von Friedhöfen erzähle und dass am Vatikan ja ein deutscher Friedhof wäre, den ich besuchen will. Und wenn ich schon mal da bin, besuche ich auch den Petersplatz.
Sie sind angenehm überrascht und erzählen vom protestantischen Friedhof, der wirklich interessant klingt. Vom Flughafen aus fährt ein Zug in die Innenstadt und ich lege mir während der ca. 40 Minuten Fahrzeit eine Strecke zum Friedhof zurecht. Da Rom auf Google Maps recht überschaubar aussieht, entschließe ich mich, zu Fuß zu gehen, was sich insgesamt als gute Entscheidung herausstellt, weil ich einige Sehenswürdigkeiten auf dem Weg mitnehmen kann. Ich merke aber schnell, dass Rom doch größer ist als gedacht...
Ich nehme also das Colloseum und den Mund der Wahrheit mit, sowie viele historische, wunderschöne und beeindruckende Sehenswürdigkeiten. Natürlich schaffe ich nur einen Bruchteil. Als ich die Cestius-Pyramide sehe, weiß ich, dass ich da bin.
Ich suche den Eingang. Keine Schild, kein Hinweis, Google Maps ist auch keine Hilfe. Ich entscheide mich für Links. Rechts wäre deutlich kürzer gewesen, aber so komme ich noch am Commonwealth War Friedhof vorbei und mache noch ein paar tolle Bilder bei untergehender Sonne.
Jetzt muss ich mich aber langsam beeilen. Für Rom benötigt man eindeutig mehr Zeit.
Der "Cimitero Acattolico per gli Stranieri di Roma" kann frei übersetzt werden mit "Friedhof für nicht katholische Ausländer". Der protestantische Friedhof wurde im 18. Jahrhundert gegründet, um Reisende und Ausländer auch in Rom begraben zu können, da Nicht-Katholiken nicht auf den damaligen Friedhöfen beerdigt werden durften.
Ich komme um 16:15 an, es ist noch etwas hell, der Friedhof schließt aber schon um 17:00. Ich gehe rein und tauche in eine komplett andere Welt ein. Der Friedhof ist von einer 3 bis 4 Meter hohen Mauer umgeben und hat eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Eine junge Dame, die hier zu arbeiten scheint, begrüßt mich herzlich auf englisch und wir unterhalten uns kurz. Sie fragt, wo ich herkomme. Als ich sage, aus Hamburg, lacht sie, ihre Kollegin im Shop ebenfalls. Wieder mal so ein schöner Zufall. Natürlich gehe ich zum Shop und unterhalte mich mit ihr. Leider nur kurz, da ich nicht viel Zeit habe. Einen kurzen Rundgang schaffe ich aber, ich bekomme Tipps und genaue Anweisungen. Fotos sind eigentlich nur halb erlaubt, da hier immer noch Bestattungen vorgenommen werden und dies respektiert werden soll. Dies versuche ich hier natürlich zu berücksichtigen.
Ich beginne im alten Teil und schaue auf die Cestius-Pyramide, die etwa um Christi-Geburt entstanden ist. Ich sehe viele englische Namen, wie den Dichter John Keats oder den Maler Joseph Severn. Aber auch viele deutsche Namen, sowie streundende Katzen, die sehr zutraulich sind und in einem guten Zustand; sie werden liebevoll vom Friedhof versogt und lassen sich gern von den Besuchern streicheln.
Es geht weiter in den "neuen" Teil, aber auch hier sind die Gräber teilweise sehr alt, jedoch wird hier nach wie vor bestattet. Der Friedhof ist wirklich sehr gepflegt und ich stoße auf das wunderschöne Grabmal "Angel of Grief" (Engel der Trauer), das 1894 von dem US-amerikanischen Bildhauer und Dichter William Wetmore Story für sich und seine Frau geschaffen wurde.
Ich gehe weiter und sehe den Sohn von Goethe, der auf Reisen an einer Pockenerkrankung in Rom verstarb, sowie Percy Shelley, dessen zweite Frau Mary seinen Nachlass nach einem Segelunfall verwaltete und später selbst als Schriftstellerin weltberühmt wurde. Beeindruckend auch das Grabmal von Elsbeth Passarge, die Frau des Österreichischen Bildhauers Ferdinand Seeboeck, die mit nur 18 Jahren an Typhus verstarb und es aussieht, als würde sie jeden Moment erwachen.
Es sind noch 15 Minuten, bis der Friedhof schließt und aus Lautsprechern kommt eine Durchsage, dass die Besucher sich nun langsam Richtung Ausgang begeben sollen. Untermalt wird des durch die wunderschönen Klänge von Bachs "Air", die Melodie wird über den kleinen Friehof getragen, was zusammen mit der langsam zunehmenden Dunkelheit eine einmalige Atmosphäre schafft. Ich beeile mich und fotografiere noch diverse Motive, habe längst nicht alles gesehen. Schade!
Dann muss ich wohl nochmal wiederkommen.