Ich bin zu Besuch bei Andreas in Kiel, der mir seine Stadt zeigt und natürlich auch mein Hobby kennt. So besuchen wir morgens den wunderschönen Südfriedhof und nachmittags den Nordfriedhof. Letzterer ist bei ihm in der Nähe, also gehen wir zu Fuß. Auf dem Weg kommen uns viele "Störche" entgegen, Fans von Holstein Kiel, die heute leider 2:3 gegen Nürnberg verloren haben. Das Holstein-Stadion liegt direkt neben dem Friedhof und die Fans kommen am Haupteingang vorbei, einige nutzen sogar die Gelegenheit und gehen auf den Friedhof.
Als erstes mache ich normalerweise immer ein Foto vom Haupteingang, was ich aber heute auf später verschieben muss, da überall Fussball-Fans durch das Bild laufen. Also gehen wir erst einmal hinein und orientieren uns. Ich habe mich nur kurz vorbereitet und möchte auf jeden Fall ein bestimmtes Grab sehen, welches sehr sehenswert sein soll.
Der Friedhof ist sehr geprägt von Soldatengräbern, da Kiel mit seiner Lage am Wasser im 1. und 2. Weltkrieg ein bedeutender Marine-Stützpunkt war.
Häufig ist hinter dem Haupteingang das Verwaltungsgebäude und/ oder eine Trauerhalle/ Kapelle. So auch hier.
Ein Grabstein mit der Inschrift "Büro" weist auf den Verwaltungsteil hin, mal was anderes und genau mein Humor.
Auf der anderen Seite des Gebäudes ist der Eingang zur Trauerhalle, davor ein kleiner Brunnen, an dessen Rand ein Frosch sitzt. Ich denke laut, dass es doch schön wäre, wenn der Frosch Wasser spucken würde, dann dafür ist er offensichtlich gedacht.
Ich mache ein paar Fotos und da Andreas offenbar derselben Meinung ist, wie ich, findet er auf der Hinterseite das Brunnens ein Ventil, welches er beherzt öffnet und schon kommt ein Strahl aus dem Mund des Frosches in den Brunnen, sowie auf mich und meine Kamera.
Wir lachen, ich mache die Kamara trocken, Andreas reguliert den Strahl, so dass ich ein schönes Foto schießen kann.
Wir gehen weiter und suchen das Grabmal von Jutta Kutter, mein heutiges Hauptanliegen. Ich weiss ungefähr, wo es liegt und wir gehen einen Hügel hinauf. Auf dem Weg muss ich noch kurz warten, da die Friedhofskatze einmal beachtet und intensiv gestreichelt werden möchte.
Auf dem Hügel angekommen, ist das Grabmal am Wegesrand schnell zu erkennen und es passt hier irgendwie so gar nicht hin. Ich frage mich, ob es einen Hintergrund oder eine Geschichte dazu gibt.
Die gibt es, und leider ziemlich tragisch:
Jutta war die Tochter des bekannten Kapitäns und späteren Konteradmirals William Kutter und war mit 1,5 Jahren an einem Bonbon erstickt. Ihre Eltern waren nicht zu Hause und das Kindermädchen wollte sie mit Süßigkeiten beruhigen.
Das Grabmal wurde von dem bekannten Bildhauer Hans Dammann geschaffen, der als Vorlage das Gemälde "Sleep" der Französischen Malerin Francine Charderon verwendete. Gemälde wie Grabmal sind wunderschön, rührend und sehr passend zu diesem Unglück.
Seit damals wurden und werden nach wie vor regelmäßig Blumen auf das Grab abgelegt.
Eine alte Dame spendete kürzlich für die Reinigung des Grabmals, so dass sie aktuell in voller Pracht zu bewundern ist. Die Dame kennt das Grab seit ihrer Kindheit, ihr war als kleinem Mädchen die Geschichte von Jutta Kutter und dem Bonbon von ihrer Mutter mahnend erzählt worden und mit ihr zusammen hatte sie früher ebenfalls Blumen niedergelegt.