Der Wiener Zentralfriedhof hat 150-jähriges Jubiläum und ich nehme an einer Führung "Der Zentralfriedhof bei Nacht" teil. Ich komme zum Haupteingang am Tor 2, wo schon eine Menge Menschen warten. DIe Teilnehmerzahl ist begrenzt, aber es sind 2 Führungen parallel. Die Namen werden abgegelichen und jeder Teilnehmer bekommt eine Mini-Taschenlampe mit Logo des Friedhofes. 
Es geht los und wir gehen als erstes zur Aufbahrungshalle 1. Hier gibt es eine kleine Einweisung, der Führer stellt sich vor und gibt als erstes die Empfehlung, die Toilette zu besuchen, weil wir etwa 2 Stunden unterwegs sein werden. Unterwegs gibt es zwar Möglichkeiten, möchte er aber vermeiden, in der Dunkelheit verliert man gern jemanden, daher auch die kleinen Taschenlampen. 
Er hat einen zauberhaften Wiener Dialekt, ist aber gut zu verstehen. In Österreich dürfen solche Führung nur von zertifizierten Fremdenführern, die eine längere Ausbilung genossen haben, durchgeführt werden. Daher sind viele auch nicht ehrenamtlich unterwegs, wie z.B. auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf, sondern meist Selbstständig oder angestellt tätig.
Er erklärt ein paar Regeln, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wie nicht über die Gräber laufen, zusammenbleiben u.a. Er weist auf die vielen nachaktiven Tiere auf dem großen Friedhof hin und wenn wir Geräusche hören sollten, sind das im allgemeinen Rehe. 
Man könnte meinen, dass so ein Friedhof in der Nacht stockdunkel ist, bei der Größe reicht das Licht der Straßenicht weit und die Wege zwischen den Gräber sind natürlich nicht beleuchtet. Hier und da sieht man Grabkerzen auf den Gräber, die ein schaurig-schönes Bild geben. Bloß nicht an irgendwelche FIlme denken!
Wir kommen in den Armenischen teil, den wir bereits von weiterer Entfernung sehen, da hier doch etwas mehr Licht ist. Aber nicht von Lampen oder Laternen, sondern von den Grabstätten selbst. Hier sind einige sehr pompöse Ausführungen zu sehen.
Der Führer erzählt, dass der Status gern dargestellt wird. Häufig ist die verstorbenen Person als Grafik eingelasert, gerne mit einem Lieblingssatussymbol (häufig ein Merzedes). 
Lampen, LED-leisten uvm. Sehr kitschig, aber auch sehr schön und beeindruckend. 
Zu Allerheiligen und Allerseelen (1./2. November) wird der Toten gedacht und es finden hier dann gerne opulente Feiern statt.
Wir kommen an vielen interessanten Grabstätten vorbe,i hören interessante Geschichten und Hintergründe. 
Heller wird es wieder bei der Gruppe 35B, auch Babygruppe genannt. 
Der Wiener Zentralfriedhof schreibt dazu auf seiner Website:
"Der Verlust eines Kindes ist für Eltern eine schmerzvolle Erfahrung. Die Beerdigung und Grabauswahl sind in diesem schweren Moment für die Eltern eine große Belastung, weshalb die Stadt Wien 1999 beschloss, für die in Wien leider viel zu früh verstorbenen Kinder, deren Bestattung nicht von den Eltern veranlasst wird, eine würdige Begräbnisstätte zu errichten."
Eine weitere Station ist der Anatomiehain, wo Menschen begraben liegen, die ihren Körper der Medizin für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung gestellt haben. Die ersten Begräbnisse erfolgten in Särgen und annonym, inzwischen gibt es den 8-eckig gestalteten Anatomie-Hain für die nun kremierten Verstorbenen am Gräberfeld des Anatomischen-Institutes. Die Zahl Acht steht dabei symbolisch für den Anfang und Neubeginn. Durch gewünschte Namenstafeln der Angehörigen wird die bisherige Anonymität der Verstorbenen aufgehoben und eine Trauerarbeit leichter möglich.
Die Führung endet bei Hans Hölzl, einer der bekanntesten und kontroversesten Künstler Wiens, besser bekannt unter dem Namen "Falco". Er ist nicht im Bereich der Ehrengräber, sondern weit abseits, neben seiner Mutter begraben. 
Auch sein Grab ist durch Kerzen beleuchtet, im Hintergrund scheint der Mond.
Das Lied "Out of the dark" wurde wiederholt mit einem geplanten Selbstmord oder einer Todesvorahnung von Falco in Verbindung gebracht. Der Satz „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ am Ende der zweiten Strophe wurde von den Medien als Gerücht genutzt, Falco hätte sich durch einen Autounfall das Leben nehmen wollen. 
Der Führer bedankt sich, alle sind beeindruckt und klatschen. Dann begeben wir uns zurück zum Haupteingang. 
- Eine tolle Führung und Erfahrung. - 

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